Van Gogh+Munch

Zwei Meister begegnen sich im Munchmuseum

Erleben Sie in Oslo das Kunstereignis des Jahres 2015! Erstmals sind die beiden großen Künstler in einer Gemeinschaftsausstellung zu sehen, die durch die Zusammenarbeit von zwei der weltweit führenden Einzelkünstlermuseen, dem Van Gogh Museum in Amsterdam und dem Munchmuseum, zustande gekommen ist.

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Vincent van Gogh (1853-1890) und Edvard Munch (1863-1944) waren schöpferische, einflussreiche Künstler. Beide sind bekannt für ihre emotional ausdrucksstarken Gemälde und Zeichnungen, ihren persönlichen und innovativen Stil sowie ihre schwierigen Lebensumstände.

In der Öffentlichkeit wie in der Fachwelt sind sie oft miteinander in Verbindung gebracht worden. Tatsächlich gibt es auffällige Parallelen zwischen ihrem Schaffen und ihren künstlerischen Zielen. Mittels einer neuen, expressiven Bildsprache repräsentieren beide eine Wende hin zu existenziellen und universellen. Trotz dieser unübersehbaren Gemeinsamkeiten, die seit Ende des 19. Jahrhunderts in der kunstgeschichtlichen Forschung und Kunstkritik ständig hervorgehoben worden sind, sind die tieferen Zusammenhänge zwischen den beiden Künstlern nie so gründlich beleuchtet worden wie im Rahmen dieser Ausstellung.

„In seiner kurzen Karriere ließ Van Gogh seine Flamme nicht erlöschen. In seinem Pinsel waren Feuer und Glut in den wenigen Jahren, in denen er für seine Kunst brannte. – Ich habe in meiner Laufbahn, die länger war und bei der ich mehr Geld zur Verfügung hatte, gedacht und gewollt, dass wie bei ihm meine Flamme nicht erlischt und ich bis zuletzt mit einem brennenden Pinsel malen kann.“

Edvard Munch, 23. Oktober 1933

In Van Gogh+Munch werden zum ersten Mal Ähnlichkeiten und Verbindungen in den Werken der beiden Maler detailliert aufgezeigt und erklärt. Allgemeinplätze und Phrasen, die nicht kritisch hinterfragt worden sind, werden vermieden. Thematisiert werden die künstlerischen Ausgangspunkte, die Einflüsse, die Entwicklung von Stil und Technik sowie die künstlerischen Ziele von Munch und Van Gogh. Auf diese Art wird ein tieferes Verständnis dafür geschaffen, warum die beiden so oft miteinander in Verbindung gebracht werden.

Paris stellte für beide Künstler einen Wendepunkt dar. Hier wurden sie mit neuen Kunstrichtungen konfrontiert, die ihr Potenzial freisetzten und sie vor die Herausforderung stellten, ihr eigenes Programm zu formulieren. Auch wenn ihre Werke in Bezug auf Motive und Ausführung sehr verschieden sein können, waren beide von dem Anliegen erfüllt, die Befindlichkeiten des modernen Menschen zum Ausdruck zu bringen. Dabei setzten sie ihr gesamtes Instrumentarium ein: reine, expressive Farben, ein hoher Grad von Stilisierung, ein persönlicher und gewagter Pinselstrich und unkonventionelle Kompositionen sind charakteristisch für beide. Mit krassen Farbkontrasten vermittelt Van Gogh im Gelben Haus die intensive südfranzösische Sommerhitze. Munch verzerrt Perspektive und Raumgefühl im Sterbezimmer, um eine emotionale und angsterfüllte Atmosphäre zu schaffen.

Eine weitere Gemeinsamkeit der Protagonisten manifestiert sich in der Idee, mehrere Bilder in größeren Einheiten zusammenzufassen. Munchs bekannteste Bildserie mit dem Titel Lebensfries umfasst die meisten seiner zentralen Werke der 1890er Jahre, die um die Themen Liebe, Angst und Tod kreisen. Van Gogh entwickelte ein Projekt, dem er den Namen Décoration gab. Dabei handelt es sich um eine Serie von eigentlich unabhängigen Bildern, die durch ihre Zusammenstellung eine besondere Bedeutung erhielten. Munch notierte: „Als sie zusammengestellt wurden, ertönte ihnen sogleich ein Klang, und sie erschienen ganz anders als jedes für sich. Eine Symphonie entstand.“ Dieser faszinierende strukturelle Prozess ist in der Ausstellung mit einer Auswahl zentraler Werke aus Décoration und Lebensfries repräsentiert.

Den Abschluss der Ausstellung bildet eine Gruppe von Werken, welche die Künstler selbst für so wichtig hielten, dass sie als künstlerisches Testament gelten können. Diese Arbeiten sind der ergreifende Ausdruck essenzieller Themen wie Trost, Leiden, Liebe und der Kreislauf des Lebens. Munch und Van Gogh ist es gelungen, auf universelle und direkte Art einen Ausdruck für das menschliche Dasein zu finden. Werke wie Das kranke Kind, der Schrei, die Weizenernte und Sternennacht über der Rhône unterstreichen die Gemeinsamkeiten der beiden Künstler auf einer höheren und grundsätzlicheren Ebene.

Die Ausstellung umfasst rund 75 Gemälde und 25 Arbeiten auf Papier, einschließlich einer Vielzahl vergleichender Werke von anderen Künstlern. Beide Museen stellen eine erlesene Auswahl zentraler Werke zur Verfügung, die mit wichtigen Leihgaben anderer Museen und privater Sammler vervollständigt wird. Der Katalog enthält Artikel zu den verschiedenen Themen der Ausstellung sowie weitere Texte, die sich darüber hinaus mit forschungsrelevanten Materialien – etwa schriftlichen Zeugnissen oder der Rezeptionsgeschichte der Künstler – auseinandersetzen. Neben den Artikeln der Kuratoren der Ausstellung finden sich darin ebenso Beiträge anerkannter Kunsthistoriker wie Jill Lloyd, Uwe Sneede oder Reinhold Heller.