MIT GESCHLOSSENEN AUGEN – GAUGUIN UND MUNCH

Paul Gauguin (1848–1903) und Edvard Munch (1863–1944), zwei Künstler, die sich wahrscheinlich nie begegneten, spielten eine Schlüsselrolle bei der Ausformung der Kunst der Moderne am Ende des 19. Jahrhunderts. Beide experimentierten mit Ausdrucksformen, die das Leben des Menschen in der Moderne in innovativer und ergreifender Art und Weise widerspiegeln. Gauguins Motive gingen oftmals aus der Begegnung mit anderen Kulturen hervor, doch grundlegend für beide Künstler ist die ästhetische Verarbeitung ihrer eigenen Gefühle und Gedanken. Gauguin soll gesagt haben, dass er die Augen schloss, um zu sehen, und Munch äußerte die berühmten Worte: „Ich male nicht, was ich sehe, sondern was ich sah.“ Gauguin und Munch erinnern uns daran, den Blick nach innen zu richten und schöpferisch aus uns selbst heraus zu wirken.

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Nach einigen Jahren, in denen sich beide Künstler fast ausschließlich mit Malerei beschäftigt hatten (Gauguins Interesse galt auch Skulpturen), entdeckten Gauguin 1889 und Munch 1894 das kreative Potential von Druckgrafiken. Beide überschritten etablierte Grenzen und schufen bahnbrechende Grafiken, deren künstlerische Ausdrucksformen die Essenz ihrer jeweiligen Motive prägnant unterstrichen. Indes fielen die Ergebnisse dieser Unternehmungen bei beiden Künstlern jeweils sehr unterschiedlich aus. Beide vereint ihre große Experimentierfreude, die in den Holzschnitten am stärksten zum Ausdruck kommt. Während sich Gauguin hauptsächlich für Details interessierte, reduzierte Munch seine Motive oft auf ihr absolutes Minimum.

Die Ausstellung macht Munchs und Gauguins Vorliebe für Frauenmotive deutlich. Diese Frauendarstellungen fallen durchaus ambivalent aus. Aus heutiger Sicht hatten beide Künstler sicherlich ein kontroverses Frauenbild. Das zeigt sich etwa in ihren Visualisierungen von Themen wie Liebe, Eifersucht und Angst - Gefühle, die möglicherweise auf persönlichen Erlebnissen oder Fantasien beruhen. Zugleich finden sich jedoch ebenso Züge von Empathie in ihren Frauendarstellungen. War ihr Frauenbild vielleicht doch komplizierter als gemeinhin angenommen?

Mit geschlossenen Augen - Gauguin und Munch zeigt eine große Anzahl grafischer Arbeiten, aber auch Gemälde und Skulpturen, die die experimentellen Praktiken der Künstler über unterschiedliche Medien hinweg dokumentieren. Neben Gauguins wichtigsten grafischen Werken bietet die Ausstellung eine Auswahl anderer bedeutender und seltener Objekte, darunter drei zentrale Ölgemälde, Keramikwerke, Holzschnitte, Druckplatten und Exemplare von Gauguins satirischer Zeitung „Le Sourire“ (Das Lächeln). Diese Werke treten in Verbindung mit einer reichhaltigen Auswahl von Munchs Grafiken und Gemälden. Damit lädt die Ausstellung einerseits dazu ein, Gemeinsamkeiten (aber auch Unterschiede) zwischen beiden Künstlern wahrzunehmen, andererseits fordert sie dazu auf, deren heutige Relevanz zu reflektieren.