MONDAUFGANG MARLENE DUMAS & EDVARD MUNCH

Man braucht keine Vorkenntnisse, um sich von Dumas’ Kunst verführen zu lassen. Die niederländische Künstlerin ist bekannt für ihre visuell starken Bilder, sei es mit Öl auf Leinwand oder mit Aquarell auf Papier. Ihre Motive führt sie in dünnen Farbschichten und mit schnellen, scheinbar spontanen Pinselstrichen aus. Die Herangehensweise an ihre Motive, die meist aus Porträts oder Figurenkompositionen bestehen, ist expressiv und direkt.

Eines von Dumas’ Lieblingswerken von Munch ist die Lithografie-Serie Alpha und Omega (1908). Sie sah die Serie 1981 bei ihrem ersten Besuch im Munch-Museum. Die Hauptthemen dieser burlesken Fabel überträgt Dumas auf die Ausstellung: es geht um Unschuld und Schuld, Einsamkeit und Verführung, Erotik, Angst und Tod. Dumas war viele Jahre lang von Munch fasziniert, doch hat sie nach eigenen Aussagen erst durch ihren Malerkollegen René Daniëls (geb. 1950) gelernt, Munch wirklich zu sehen. Deshalb sind ebenso Gemälde von Daniëls in der Ausstellung zu sehen, Seite an Seite mit Dumas’ eigenen Arbeiten und den Werken Munchs.

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Der Titel der Ausstellung, Mondaufgang, stammt von einer ebenso betitelten Lithografie. Darauf sind die Figuren Alpha und Omega zu sehen, die die goldene, auf dem Meer schimmernde Mondsäule betrachten. Dumas assoziiert den Aufgang des Mondes mit Weiblichkeit, mit Magie und Romantik. Zugleich verweist das Motiv auf die Dunkelheit, die der Einbruch der Nacht mit sich bringt. Diese Kontrastierung von Licht und Dunkelheit findet sich ebenfalls in der Ausstellung, indem sie die Geschichte von Alpha und Omega implizit neu erzählt: von Unschuld und Liebe über Sehnsucht und Begierde hin zu Eifersucht und Untergang.

Munch und Dumas vereint auch ihre Faszination für Literatur. Beide beschäftigen sich mit Geschichten, die um die Themen Liebe, Angst und Tod kreisen. Beide besitzen eine Sprache ganz eigenen Stils, die sich durch die Vermischung von Prosa und Poesie auszeichnet. Dumas sagt, Munch male moderne Liebesgeschichten, die sich nicht nur zwischen Männern und Frauen, sondern auch zwischen Mensch und Natur abspielen. Wir alle kämpfen an gegen den Tod und unsere innere und äußere Entfremdung. Über Munch schreibt sie: „Ja, er versteht die Nacht und ihre Schatten. Dennoch erstrahlt sein Werk von Licht.“