Jasper Johns + Edvard Munch

Diese Ausstellung will die Verbindungslinien zwischen Edvard Munchs Werk und einer der größten Gestalten der zeitgenössischen Kunst, Jasper Johns, aufdecken. Noch nie ist eine so umfassende Schau von Johns' Werken in Skandinavien gezeigt worden.

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Jasper Johns (geb. 1930) erlebte seinen Durchbruch in der amerikanischen Kunstwelt in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre mit Gemälden, die allgemein bekannte Symbole wie die amerikanische Flagge, Zielscheiben, Zahlen und Buchstaben darstellen. Das war eine klare Abkehr von der subjektiven und spontanen Malerei des abstrakten Expressionismus, die in der amerikanischen Kunst der vierziger und fünfziger Jahre vorherrschend war. Zusammen mit Künstlern wie Robert Rauschenberg wurde Johns ein Vorläufer der amerikanischen Pop-Art der sechziger Jahre. In dieser Zeit stand er in enger Beziehung zu dem Choreographen Merce Cunningham und dem Komponisten John Cage. Außerdem erhielt er wichtige Impulse von Marcel Duchamp und dessen konzeptioneller Annäherung an künstlerische Schaffensprozesse.

Johns hat sich explizit von der Idee von Kunst als subjektivem Ausdruck des Kunstschaffenden distanziert. Damit nimmt er eine Gegenposition zur expressionistischen Tradition ein, die von Munch mitbegründet wurde. Um so bemerkenswerter ist es, dass Johns zu einem späteren Zeitpunkt ausgerechnet Interesse für Munchs Werke entwickelte. Als Zwanzigjähriger machte er fbei einer Ausstellung im Museum of Modern Art im Jahre 1950 in New York zum ersten Mal ihre Bekanntschaft. Wir wissen nicht, welchen Eindruck Munch auf den jungen Johns gemacht hat; doch 25 Jahre später, gegen Ende der siebziger Jahre, tauchen in seinem Werk Bezüge zu Munch auf. In diesem Zeitraum fanden wichtige thematische und formale Veränderungen in Johns' Kunst statt. Er begann, figurative Elemente, räumliche Perspektiven, Bezüge zum Wesen der Zeit und zu existenziellen Fragen in seinen Bildern darzustellen. Anregungen von Munch erhielt er u.a. bei der Auseinandersetzung mit Themen wie Liebe, Angst, Krankheit oder Tod. Zugleich beschäftigte ihn Munchs Experimentierfreudigkeit in der Kunstproduktion.

Die Ausstellung will zeigen, dass Munch eine viel größere Rolle für Johns gespielt hat, als früher angenommen wurde. Sie umfasst rund 130 Werke: Gemälde, Grafiken, Zeichnungen und Fotografien. Ein zentrales Moment ist die Verbindung von Munchs spätem Selbstbildnis Zwischen Uhr und Bett (1940-42) und Johns' Serie abstrakter Kreuzschraffuren – sein Signaturmotiv in den siebziger Jahren. Die Ähnlichkeit zwischen den Kreuzs chraffuren und dem Muster von Munchs Bettüberwurf auf dem Selbstporträt war zunächst nicht beabsichtigt. Doch von 1980 bis 1984 machte sich Johns diese Ähnlichkeit explizit in einer Serie von Bildern, die den gleichen Titel wie Munchs Gemälde tragen, zu Nutzen.

Ein Teil der Ausstellung befasst sich außerdem mit dem Einfluss, den ein anderes von Munchs Selbstbildnissen auf Johns ausübte. Dabei handelt es sich um die Lithografie, auf der Munch einen Knochenarm, ein Sinnbild des Todes, in den Vordergrund seines Porträts gelegt hat. Dass Johns von Munchs suggestivem Gebrauch von Schatten und menschlichen Gestalten fasziniert war, erkennen wir an einer Reihe von Gemälden aus der zweiten Hälfte der achtziger Jahre, als Johns zum ersten Mal menschliche Formen als Motive in seinen Bildern verwendet. Damit setzt er einen neuen, existenziellen Akzent in seiner Kunst.

Johns+Munch ist in Zusammenarbeit mit dem Virginia Museum of Fine Arts (VMFA) in Richmond, USA, entstanden. Nach der Präsentation im Munchmuseum wird die Ausstellung dort im Herbst 2016 zu sehen sein. Kurator der Ausstellung ist John Ravenal, ehemals Chefkonservator am VMFA, heute Direktor des DeCordova Sculpture Park and Museum bei Boston, USA. Ravenal ist Redakteur des Ausstellungskatalogs, der von Yale University Press herausgegeben wird. Der Katalog ist durchgängig illustriert und enthält einen umfangreichen, von Ravenal verfassten Artikel.


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